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MPU-Wissen

 

Führerschein

Der Führerschein wurde eingezogen und Sie benötigen eine Vorbereitung auf die medizinisch psychologische Untersuchung (MPU).

"Frühere Information des Betroffenen"

Dass er zur MPU muss, erfährt der Betroffene erst sehr spät. Wer etwa mit mehr als 1,6 Promille angehalten wird und seinen Führerschein für zwölf Monate oder länger los ist, muss zur MPU, bevor er wieder fahren darf. Mitgeteilt wird ihm das aber erst, wenn er drei Monate vor Ablauf der Sperrfrist den Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis stellt. „Das ist für die Betroffenen ein Debakel“, sagen die ADAC Juristen, „denn sie haben wertvolle Zeit verloren.“ Zeit für eine seriöse (und dringend nötige) Vorbereitung auf die bis zu 750 Euro teure MPU oder für den Abstinenznachweis, der bei Alkohol- oder Drogenauffälligen oft als „Eintrittskarte“ zur MPU verlangt wird. Eine frühzeitige Information bereits durch die Gerichte im Strafverfahren wäre daher wichtig.
Quelle: https://www.adac.de/verkehr/rund-um-den-fuehrerschein/mpu/aktuelles/

Nach Entzug der Fahrerlaubnis sollten Sie daher direkt aktiv werden!

Klären Sie in der Führerscheinstelle, ob Sie mit einer MPU rechnen müssen.
Warten Sie nicht die Speerfrist ab. Auch nach Ablauf der Speerfrist sollten Sie die Neuerteilung des Führerscheins erst beantragen, wenn sie die Voraussetzungen für eine erfolgreiche MPU erfüllt haben.

Die Führerscheinstelle wird Ihnen dann ein Schreiben zukommen lassen, in dem eine MPU gefordert wird. Dieses Schreiben enthält alle wichtigen Informationen zu Ihrem speziellen Fall. Hiernach müssen Sie dann eine Begutachtungsstelle angeben. Ihre Akte wird dann an die Begutachtungsstelle geschickt, welche dann die Untersuchungsgebühr
fordert. Nach Überweisung der Gebühr wird mit Ihnen ein Termin für die MPU vereinbart.

MPU-Stellen gibt es im gesamten Bundesgebiet. Wo Sie Ihre MPU absolvieren, können Sie selbst entscheiden. Die einzige Voraussetzung ist, dass es sich um eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung handelt.

Nach der MPU das Gutachten (nur falls positiv) bei der Führerscheinstelle einreichen.

Die wesentlichen Fallgruppen/Hypothesen in der MPU

(Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung,3.Aufl., Kirschbaum Verlag 2013)

Urteilsbildung in der Fahreignung

Letztendlich entscheidet der Gutachter während der MPU in welche Fallgruppe/Hypothese er Sie einordnet.

Fallgruppe/Hypothese A1 -Untersuchungsanlass Alkohol

"Es liegt eine Alkoholabhängigkeit vor. Eine Entwöhnungstherapie oder eine vergleichbare, in der Regel suchttherapeutische unterstützende Problembewältigung hat zu einer stabilen Alkoholabstinenz geführt."

Nach einer ambulanten oder stationären Behandlung ist in der Regel eine 12- monatige Abstinenz (mit Abstinenzschecks) erforderlich. Bei ambulanter Behandlung ist ggf. auch eine halbjährige Wartezeit ausreichend. Klären Sie dies in ihrer Behandlungsstätte und bei der MPU-Stelle. Der Gutachter prüft, ob Sie mit Hilfe der ambulanten oder stationären Rehabilitation:

Die Hintergründe/Ursachen Ihrer Alkoholabhängigkeit erkannt und überwunden haben.

Ihre Krankheitseinsicht und Abstinenzmotivation glaubhaft und stabil ist.

Sie eine Nachsorge besucht haben bzw. regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besuchen.

Ihr soziales Umwelt (Familie, Freundeskreis,Arbeitsstelle) stabil ist.

Fallgruppe/Hypothese A2 -Untersuchungsanlass Alkohol

"Der Klient ist nicht  dauerhaft in der Lage, mit Alkohol  kontrolliert umzugehen. Er verzichtet deshalb konsequent, zeitlich unbefristet und stabil auf den Konsum von Alkohol."

Auch ohne dass eine Alkoholabhängigkeit bekannt ist wird eine dauerhaft abstinente Lebensführung erwartet. Vor der MPU ist eine 12-monatige Abstinenz (mit Abstinenzschecks) erforderlich.

Fallgruppe/Hypothese A3 - Untersuchungsanlass Alkohol

Überdenken Sie Ihr Trinkverhalten

"Es lag eine Alkoholgefährdung vor (hohe Alkoholgewöhnung, unkontrollierte Trinkphasen, Entlastung-/Problemtrinken). Der Klient hat aufgrund eines angemessenen Problembewusstseins sein Trinkverhalten ausreichend verändert, sodass von einem dauerhaft kontrollierten Alkoholkonsum ausgegangen werden kann."

Der Betroffene ist noch in der Lage sein Alkoholtrinkverhalten dauerhaft und stabil zu verändern, so dass eine Abstinenz nicht für erforderlich gehalten wird. Es braucht zumindest 1/2 Jahr bis zur MPU um verändertes Trinkverhalten und notwendige Verhaltensänderungen zu stabilisieren. Abstinenznachweise sind nicht erforderlich. Man kann jedoch selbst mit Leberwerten oder einer Haaranlyse glaubt machen, das ein moderater Alkoholkonsum vorliegt (der Wert sollte dabei deutlich unter 30pg/mg liegen.

Fallgruppe/Hypothese D1- Untersuchungsanlass Drogen

"Es liegt eine Drogenabhängigkeit vor. Eine Entwöhnungstherapie oder eine vergleichbare, in der Regel suchttherapeutische unterstützte Problembewältigung hat zu einer stabilen Drogenabstinenz geführt."

Bei bekannter Drogenabhängigkeit ist nach einer stationären oder ambulanten Behandlung eine mindestens 1 jährige Abstinenz (mit Abstinenzschecks) erforderlich.

Fallgruppe/Hypothese D2- Untersuchungsanlass Drogen

"Es liegt eine fortgeschrittene Drogenproblematik vor, die sich im missbräuchlichen Konsum von Suchtstoffen, in ein polyvalentes Konsummuster oder auch im Konsum suchtpotenter Drogen gezeigt hat. Sie wurden aufgearbeitet und Drogenabstinenz wird ausreichend lange und stabil eingehalten."

Auch ohne bekannte  Drogenabhängigkeit wird bei Mischkonsum und Konsum harter Drogen eine therapeutische Aufarbeitung und mindestens 1-jährige Abstinenz (mit Abstinenzschecks) erwartet.

Fallgruppe/Hypothese D3 - Untersuchungsanlass Drogen

"Es liegt eine Drogengefährdung ohne Anzeichen einer fortgeschrittenen Drogenproblematik vor. Ein ausreichend nachvollziehbarer Einsichtsprozess hat zu einem dauerhaften Drogenverzicht geführt."

"Der Klient konsumierte häufiger oder gewohnheitsmäßig ausschließlich Cannabis und/oder nur gelegentlich eine Droge mit einer höheren Suchtpotenz und Gefährlichkeit als Cannabis."
Auf regelmäßigen Konsum von Cannabis wird ab einem THC-COOH-Wert von 150ng/ml geschlossen.

Hier ist eine halbjährige Abstinenzzeit (mit Abstinenzschecks) erforderlich.

Fallgruppe/Hypothese D4- Untersuchungsanlass Drogen

"Ausschließlicher und gelegentlichen Cannabiskonsum. Eine Verkehrsteilnahme unter Drogeneinfluss kann auch bei ggf. fortbestehendem Konsum zuverlässig vermieden werden."

Klienten die nur unregelmäßig Cannabis konsumiert haben und noch in der Lage sind Cannabiskonsum und Verkehrsteilnahme zu trennen. Der THC-Wert sollte nicht höher als 1,o (in Bayern 2,0) und der THC-COOH-Wert unter 100ng/ml liegen. Das Straßenverkehrsamt kann ein ärztliches Gutachten verlangen. Dieses soll klären, ob ein gelegentlicher oder gewohnheitsmäßiger Cannabiskonsum vorliegt bzw. ob es weitere Zweifel an der Fahreignung gibt.
Sollte sich der Verdacht auf einen schwerwiegenderen Konsum erhärten, kommt es schließlich doch zu dem Entzug der Fahrerlaubnis und einer MPU.

Die Drogenabstinenz muss über 6 Monate nachgewiesen werden.


Fallgruppe/Hypothese V1-Untersuchungsanlass psychosoziale Störung

"Der Klient hat aufgrund einer generalisierten Störung der emotionalen und sozialen Entwicklung (z.B. Störung der Persönlichkeit) vermehrt oder erheblich gegen strafrechtliche und ggf. auch verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen.
Er zeigt nach einem nachvollziehbaren, in der Regel therapeutisch unterstützten Veränderungsprozess nun keine grundsätzlich antisozialen Einstellungen (mehr), ist zur Einhaltung relevanter sozialer Normen und gesetzlichen Bestimmungen motoviert und konnte dies auch bereits erfolgreich über einen längeren Zeitraum umsetzen."

Fallgruppe/Hypothese V2- Untersuchungsanlass psychosoziale Störung

"Der Klient hat aufgrund problematische und verfestigter Verhaltensmuster bei verminderter Anpassungsfähigkeit vermehrt oder erheblich gegen verkehrs- und/oder strafrechtliche Bestimmungen verstoßen. Er ist sich mittlerweile, zumeist mit fachlicher verkehrspsychologischer Unterstützung, dieser Zusammenhänge bewusst geworden und konnte angemessene alternative Bewältigungsstrategien entwickeln und stabilisieren, sodass er nun über eine ausreichende Selbstkontrolle bei der Einhaltung von Verkehrsregeln verfügt."

Fallgruppe/HypotheseV3- Untersuchungsanlass psychosoziale Störung

"Der Klient hat aufgrund von Fehleinstellungen gegenüber Regelbeachtung bei verminderter Anpassungsbereitschaft und aufgrund problematischer Fahrverhaltensgewohnheiten vermehrt oder erheblich gegen verkehrsrechtliche ggf. auch strafrechtlichen Bestimmungen verstoßen. Es ist mittlerweile jedoch eine weitreichende Einstellungs- und Verhaltensänderung eingetreten, sodass er über eine ausreichende Selbstkontrolle verfügt."

 

Beachten Sie:

Sich bei der MPU anzumelden macht erst Sinn, wenn Sie alle Bedingungen erfüllen, die von Ihnen gefordert werden (Wartezeiten und evtl. Abstinenzchecks). Von der letzten Abstinenzkontrolle bis zur MPU dürfen nicht mehr als vier Monate liegen.


 

In der Regel innerhalb von zwei Wochen nach der Untersuchung wird Ihnen Ihr MPU-Gutachten per Post zugesendet. In diesem steht, ob sie die MPU bestanden haben oder ob Sie bei der MPU durchgefallen sind.
Sie bezahlen das Gutachten und haben ein Recht darauf, dass dieses nur Ihnen zugesandt wird. Ein Negativgutachten sollten sie nicht dem Straßenverkehrsamt einsenden. Das Negativgutachten landet sonst in ihre Akte und bei erneuter MPU sieht der Prüfer in der Akte genau, warum sie bei der letzten MPU durchgefallen sind. Der Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis sollte
zurückgenommen werden, um einen Ablehnungsbescheid und den damit verbundenen Eintrag im Verkehrszentralregister zu vermeiden. Der Antrag kann später jederzeit wieder neu gestellt werden, wenn Sie die im Gutachten aufgezeigten Defizite beseitigt haben.

Eine MPU zu bestehen ist keine Frage des Glücks!


Um eine realistische Hoffnung auf Wiedererlangung des Führerscheins zu haben, muss der Betroffene bei der Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung dem Gutachter glaubhaft darlegen können. dass er:

Die Hintergründe seines  Fehlverhaltens erkannt hat.

Sich der Wirkung des Suchtmittels in psychischer, physischer und sozialer Hinsicht bewusst gemacht hat.

Einsicht in die Zusammenhänge Alkohol/Drogen und Straßenverkehr gewonnen hat.

Die persönlichkeitsverändernden und leistungseinschränkenden Folgen von Alkohol/Drogen erkannt hat.

Die sein früheres Trinkverhalten/Drogenkonsums bedingenden bzw. aufrechterhaltenden Faktoren erkannt und verändert hat.

Die Konsequenz daraus gezogen hat und seine Einstellungen gegenüber Alkohol-/Drogenkonsum grundsätzlich geändert hat.

Alternative Verhaltensweisen entwickelt und erprobt hat, die eine Rückfälligkeit in frühere Trinkgewohnheiten vermeiden können.

Die für ihn gefährlichen Risikosituationen und Rückfallgefahren erkannt und Vermeidungsstrategien dafür entwickelt hat.

Die Einsicht in die persönliche Suchtproblematik und entsprechende Einstellungs- und Verhaltensänderungen sollen die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Fahrt unter Suchtmittel mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen.


MPU-Testfragen